Initiative
Ein W@ndbild für Ahaus
- Dokumentation -
Ahauser Wandbild

Münsterlandzeitung, 20. Juni 2000

Musiker und Tänzer aus Burundi / Hoffnung auf viele Diskussionen

Trommelwirbel für Wandbild

Ahaus (hk) - Der Asphalt bebt unter den rasenden Trommelklängen der "Batimbas". Die Sonne brennt auf die farbenfrohen Gewänder der Trommler. Mit weiten Schritten lösen sich einzelne Tänzer aus der Gruppe und fegen und wirbeln im Kreis am Publikum vorbei, werden vom durchdringenden Rhythmus der Gruppe wieder eingefangen.
Batimbas aus Burundi
Batimbas aus Burundi

Die afrikanischen Trommler aus Burundi machen ihrem Namen "Magic Drums" alle Ehre: Ihr Schlag ist gewaltig, ihr Rhythmus genau und ihr Tanz gelungen. Der Vorplatz zum Logo verwandelte sich am Sonntagnachmittag fast in ein kleines, symbolisches Festival der Erdteile. Sicher auch ganz im Sinne der Initiatoren der Aktion "Ein Wandbild für Ahaus", die bei gutem Publikumsbesuch die Vernissage des fertigen Bildes feiern konnten. Denn das war auch eines der Ziele dieses Projektes: den Dialog anzustoßen zwischen den Menschen über die Grenzen der Kontinente hinweg.

Gekommen sind vor allem die Interessierten. Wer Meinungen einholt zum Wandbild, bekommt durchweg Positives zu hören. "Dass sie das geschafft haben, ein Wandbild nach Ahaus zu holen", staunt immer noch ungläubig eine ältere Dame und inspiziert noch einmal die farbenfrohen Details auf der lang gestreckten Wand gegenüber. "Müsste eigentlich sichtbarer sein", ist der ergänzende Kommentar ihrer Nachbarin. "Wir versuchen gerade es zu enträtseln", kommentiert die Vierergruppe am Gleistunnel, "man braucht doch Fantasie". Inzwischen ist wieder der drängende Sound der Trommeln vernehmbar. Kurz danach wird eine Baumtrommel versteigert, zur Unterstützung der "Batimbo"-Truppe, die mit ihrer Musik und der Hilfe von guten Freunden ihren Deutschlandaufenthalt finanzieren müssen.

Mechtild Bettmer-Liebermann, die Hauptinitiatorin der "Wandbildaktion" in Ahaus nutzt ein Musik-Pause, um ihre Freude über das gelungene Projekt auszudrücken. "Ich hoffe, dass es viele Diskussionen wachruft. Das ist der Sinn von Wandbildern", sagt sie. Dann bedankt sich der australische Maler Gordon Hookey dafür, dass er in Ahaus sein konnte. Das Bild sei fertig, für ihn ein Zustand, der mit "Erleichterung und Traurigkeit" verknüpft sei. Das Bild "teile und verbinde", um die es schließlich gehe". Kollege Klaus Klinger, der mit dem Australier und einigen Ahauser Helfern sieben Wochen gemalt hat, lobt die "gute Aufnahme in Ahaus" und die Zusammenarbeit mit Gordon Hookey. Für ihn auf jeden Fall bemerkenswert, dass nun auch Ahaus, genau wie Berlin, Köln oder Düsseldorf ein Wandbild habe.

Gordon Hookey
Gordon Hookey


Münsterlandzeitung, 20. Mai 2000

Entwürfe für Wandbilder enthüllt

Schlange warnt vor Uran-Gefahr

Ahaus - Stellvertretend für alle Träger des Projektes "Ein Wandbild für Ahaus" hat Marianne Stark-Westkamp vom aktuellen forum, Volkshochschule, die Ausstellung der Bilder von Gordon Hookey in der Villa van Delden eröffnet.

"Hookeys Bilder bekennen Farbe", so Stark-Westkamp und verweisen auf die Natur, das Leben, die Menschen und ihre Religion. Hookey stammt aus Süd-Sidney/Australien und gehört zu der Minderheit der Aborigines. Zweibeinige Wesen mit Schweinsköpfen, in Memoriam von Orwells "Animal Farm", dominieren mit dem Dollar-Zeichen in den Augen über Tiere und Minderheiten, die bereits vom Aussterben bedroht sind oder schon ausgestorben sind wie der tasmanische Tiger.

Spannend wurde es nach der Eröffnung der Ausstellung als der Düsseldorfer Künstler Klaus Klinger und Gordon Hookey zwei gemeinsame Entwürfe für Wandbilder in Ahaus enthüllten, einmal für die Wand der Firma Ossendorf, Ridderstraße, und für das Haus Niessing an der Ecke Fuistingstraße/Bahnhofstraße (Münsterland Zeitung berichtete).

Mechthild Bettmer-Liebermann, die das Projekt seit zwei Jahren betreut, freute sich nach der Enthüllung sehr über die Zustimmung der Firma Ossendorf zur Ausführung vor Ort. Die 60 Meter lange Rückseite des Gebäudes, das vom Bahnhof zu sehen ist, erfährt eine farbenfrohe Bereicherung. Der Uranabbau in Australien, gegen den die Aborigines kämpfen, und die Castortransporte nach Ahaus sind das verbindende Thema. Mittelpunkt ist die Regnbogenschlange, deren Schwanz die Form des Didgeridoo, eines Instrumentes der Aborigines, hat, umschwebt von runden Elementen, den uranhaltigen Eiern der mythischen Regenbogenschlange. Das Bewusstsein um die Gefährlichkeit des Urans prägte das Wissen der Aborigines. Der Körper der Schlange ist umfunktioniert zu Schienen, auf denen ein Zug mit schweinsköpfigen Wesen mit Geldkoffern rollt. Die Lokomotive ist eine Ratte im Laufrad, gelockt durch Geld. Der Kopf der Schlange trennt den Zug von einem Messinstrument mit Steckdose und einer unübersehbaren Strichliste. Immer wieder taucht die schwarze Hand auf, das Symbol der australischen Atomkraftgegner, während vor dem Zug das gelbe X in Menschengestalt liegt.

Der Entwurf für das Haus Niessing wartet noch auf die Zustimmung zur Ausführung durch die Besitzer. Auch hier taucht die schwarze Hand wieder auf. Im Zentrum einer schlangenförmigen Spirale blickt das Symboltier Australiens, das Känguruh, den Betrachter an.

Beide Entwürfe vermitteln eine farbenfrohe Grundstimmung, deren Symbolsprache offen ist für viele Interpretationen. Die Entwürfe und die Ausstellung von Gordon Hookey sind noch zu sehen bis zum 29. Mai, Öffnungszeiten: montags bis freitags, 18 bis 20 Uhr, samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr.

Elvira Meisel-Kemper


wochenpost, 10. Mai 2000

Der Australier Gordon Hookey ist seit Ende April zu Gast in Ahaus

Künstler arbeiten an den ersten Entwürfen für das Wandbild

Von SILKE SANDKÖTTER

Ahaus. "In Australien wird die Aktion Agenda 21 ignoriert. Diese Ignoranz zeigt die Einstellung der Regierung zu ihrem Land, das schlecht behandelt wird. Und wir Aborigines werden dort sogar noch schlechter behandelt." Klare und scharfe Worte des australischen Künstlers Gordon Hookey während einer der Pressekonferenz in der vergangenen Woche. Im Rahmen der Aktion "Ein W@ndbild für Ahaus" ist Gordon Hookey vom anderen Ende der Erde nach Deutschland gereist, um gemeinsam mit dem deutschen Künstler Klaus Klinger vom Verein Farbfieber aus Düsseldorf ein Wandbild in Ahaus zu malen. Auch als ein Botschafter der Aborigines, der Ureinwohner Australiens, ist Gordon Hookey nach Ahaus gekommen.

Er hofft, dass er durch seinen Aufenthalt in der Schlossstadt dazu beitragen kann, einen kleinen Beitrag zu leisten, um seinem Volk zu helfen.

Seit Ende April ist Gordon Hookey in Deutschland. Die ersten Tage waren geprägt vom gegenseitigen Kennenlernen zwischen ihm und Klaus Klinger. Gemeinsam arbeiten sie derzeit an den Entwürfen für das Wandbild. "Wir leben zurzeit zusammen, reden über das Projekt und treffen Ahauser Bürger", berichtet Klaus Klinger vom ersten Kontakt der beiden Künstler. Außerdem müssen die beiden sich noch für eine Wand entschieden, an der das Bild entstehen soll. "Derzeit stehen zwei Wände zur Verfügung" erzählt Mechthild Bettmer-Liebermann von der Initiative "Ein W@ndbild für Ahaus". Die Künstler werden nun entscheiden, ob das Bild .an einem Mehrfamilienhaus an der Fuistingstraße/ Bahnhofstraße oder an der Industriehalle Ostendorf entstehen soll. "Und vielleicht machen wir sogar zwei Bilder", ergänzt Klinger. Fest steht bereits jetzt, dass das Wandbild bis zum Sonntag, 18. Juni, fertig werden soll. An diesem Tag nämlich ist die Einweihung des Bildes mit einem großen Fest geplant.

Das Wandbild in Ahaus soll neue positive Zukunftsvisionen für ein humanes Zusammenleben aller Menschen in der Welt entwickeln. Es soll neue Denkanstöße vermitteln. Die Wahl der Ahauser Bürgerinitiative auf ein gemeinsames Projekt mit Australien fiel, weil die Aborigines in Australien durch den Uranabbau in ihrem Land, wie die Ahauser Bürger durch das Zwischenlager, unmittelbar mit den Folgen der Nutzung der Atomkraft konfrontiert sind: "Das ist der Anfang und das Ende der atomaren Kette", so Mechthild Bettmer-Liebermann.

Auch im Internet gibt es unter www.wandbild-ahaus.de Informationen zum Projekt.


Münsterlandzeitung, 5. Mai 2000

Australischer Künstler erkundet mit deutschem Kollegen Ahaus

Wandbild nimmt Gestalt an

Ahaus (gro) -Das "Farbfieber" in Ahaus steigt: Nach fast zwei Jahren Vorbereitungszeit nimmt das weltumspannende Wandbildprojekt in Ahaus in den nächsten Wochen Gestalt an.

Der australische Künstler Gordon Hoockey, der vor wenigen Tagen aus Sidney in Ahaus eintraf, und der Düsseldorfer Künstler Klaus Klinger entwickeln zurzeit gemeinsam einen Entwurf. Zwei Fassaden in Bahnhofsnähe sind für das Wandbild in die engere Wahl gekommen: zum einen das Mehrfamilienhaus an der Ecke Fuistingstraße / Bahnhofstraße, zum anderen die Industriehalle Ostendorf, deren etwa 85 Meter lange Rückfront vom Bahnsteig aus zu sehen ist. Welche der beiden Fassaden von Hookey und Klinger bemalt wird, ist noch nicht entschieden. Zur Zeit laufen noch technische Untersuchungen des Maluntergrunds. Auch das Motiv ist noch unklar. Die beiden Künstler, die sich am Sonntag um ersten Mal in ihrem Leben sahen, wollen jetzt erst einmal in einem "Prozess der Annäherung" eine gemeinsame Bildidee und -sprache entwickeln. Klinger erklärt wie: "Wir wohnen zusammen, kochen zusammen, gehen zusammen spazieren und reden viel mit den Leuten hier in Ahaus." Ein Bildthema werde voraussichtlich das Thema Atomenergie sein, das die australischen Aborigines mit den Menschen in Ahaus verbinde, so Mechtild Bettmer-Liebermann, die das Projekt der Düsseldorfer Künstlergruppe "Farbfieber", das weltweit in 60 Städten realisiert wird, auch nach Ahaus geholt hat: "Mit dem Uranabbau ist Australien der Anfang der atomaren Kette, während das Atommülllager in Ahaus einen Endpunkt bildet". Das Wandbild solle im Sinne der Agenda 21 die Menschen für globale Zusammenhänge sensibilisieren.

Gordon Hookey verurteilte gestern auf einer Pressekonferenz in scharfen Worten den Uranabbau in seiner Heimat: "Unsere behandelt das Land schlecht. Und sie behandelt uns Aboriginees noch schlechter".

Großformatige Bilder, die er gestern vorstellte, zeigen die australischen Ureinwohner als Opfer der Weißen; wolfsähnliche Bestien hinterlassen lange Blutspuren. "Man spürt in den Bildern Hookeys große Wut, aber zugleich auch einen tiefsinnigen Humor", lobte gestern Klinger die Werke seines Malerkollegen. Hookey seinerseits bezeichnete Klingler als einen der großen Wandmaler Deutschlands. "Ich bin überwältigt von der Schönheit seiner Bilder und ich habe schon gezweifelt, ob ich gut genug bin, neben ihm künstlerisch zu bestehen", so der Australier.

Am 10. Mai wollen Hookey und Klinger ab 20 Uhr im Cafe Vivendi ihr Vorhaben mit allen interessierten Ahausern diskutieren. Ihren gemeinsamen Entwurf wollen sie am 18. Mai zur Eröffnung einer Hookey-Austellung in der Villa van Delden vorstellen. Die Übergabe des fertigen Wandbilds ist für den 18. Juni geplant.

Finanziell wird das Projekt von der Staatskanzlei NRW und vom Ökofonds der Grünen mit je 10.000 Mark gefördert. Die Stadt Ahaus gibt aus Entwicklungshilfemitteln 8.000 Mark hinzu und weitere 2.000 Mark für begleitende Projekte von Ahauser Eine-Welt-Gruppen. Die Gronauer Firma Brocolor stiftet die Farben. Nähere Informationen zu dem Projekt gibt es im Internet unter www.wandbild-ahaus.de.


Münsterlandzeitung, 3. Dezember 1999

Kulturausschuss: Stadt soll helfen / "Stadthalle, Logo und Schule ungeeignet"

Fassadensuche für Wandbild

A h a u s (gro) - Ein Wandbild für Ahaus - unter diesem Motto bereitet eine Initiative ein deutsch-australisches Kunstprojekt für Ahaus vor. Der Schul- und Kulturausschuss der Stadt Ahaus hat am Mittwochabend einstimmig seine Bereitschaft zur Unterstützung des Projektes signalisiert.

Nach dem Willen des Ausschusses soll die Stadtverwaltung der Initiative bei der Suche nach einem geeigneten Gebäude für ein großflächiges Fassadenbild helfen. Dabei sollen vor allem private Wandflächen in Erwägung gezogen werden.

Die Wandbild-Initiative selbst hatte drei mögliche Gebäude vorgeschlagen, die aber im Ausschuss nicht für geeignet befunden wurden. Das zur Zeit im Bau befindliche Jugendcafe Logo wurde vor allem aus architektonischen Gründen als "Bildfläche" verworfen. Stadthalle und Anne-Frank-Realschule - dort müssten einige Bäume gefällt werden - ebenso. Darüber hinaus wurde angeführt, die öffentlichen Gebäude sollten ihren unpolitischen Charakter bewahren, weil sie allen Bürgern offen ständen.

Wie das Wandbild aussehen soll, darüber besteht noch Unklarheit. Fest steht nur, dass der australische Künstler Gordon Hookey mit seinem deutschen Kollegen Klaus Klinger und interessierten Ahauser Bürgern Ideen entwickeln werden. Ein gemeinsamer An-knüpfungspunkt für Ahauser und australische Aborigines, so die Initiative, sei das Thema Atomkraft: Die australischen Ureinwohner seien vom Uranabbau betroffen, die Ahauser vom Zwischenlager.

Mehr Informationen

Der Schul- und Kulturausschuss erwartet nun weitere Informationen über den australischen Künstler sowie über Art und Inhalt des geplanten Wandbildes. Vor allem aber sei der Kosten- und Finanzierungsplan nachvollziehbar und detailliert vorzulegen, bevor die Stadt einen Zuschuss geben könne.

Die Wandbildgruppe beziffert die Kosten für das Projekt auf knapp 40000 Mark und hat bei der Stadt einen Zuschuss in Höhe von 10000 Mark beantragt. Weitere 10000 Mark, so die Gruppe, werde die Staatskanzlei NRW im Rahmen von Agenda 21 beisteuern. Die restlichen 20000 Mark sollen über Eigenleistungen, Sponsoren und Spenden finanziert werden.

Eine wichtige Weiche für einen Zuschuss haben Anfang November die Ahauser Dritte-Welt-Gruppen gestellt. Einstimmig sprächen sie sich dafür aus, die Stadt solle aus Landesmitteln zur Förderung kommunaler Entwicklungsprojekte bis zu 8000 Mark für das Wandbildprojekt bereitstellen. Die Vergabe der Mittel steht auf der Sitzung des Sozialausschusses am Montag, 6. Dezember. Beginn ist um 19 Uhr.


Münsterlandzeitung, 30. Oktober 1999

Ahauser Initiative will ein deutsch-australisches Malprojekt im Rahmen der Agenda 21 verwirklichen

Wandbilder in Troisdorf besichtigt

Ahaus (seg) - Im Rahmen des Projektes "Ein Wandbild für Ahaus" hatten sich jetzt Ahauser zu einer Besichtigungsfahrt in das Rheinländische Troisdorf aufgemacht, um einige der insgesamt 25 Wandbilder der 72000 Einwohner zählenden Stadt zu besichtigen. Der Troisdorfer Kulturdezernent Jürgen Busch führte die Gruppe aus Ahaus. Im Mittelpunkt des Interesses standen vor allem zwei Werke des Künstlers Klaus Klinger, der das geplante Ahauser Wandbildprojekt zusammen mit dem australischen Künstler Gordon Hooky durchfuhren soll.

Zur Vorgeschichte: Im Jahr 1992 fanden sich Delegationen und Vertreter von 170 Staaten zusammen, um über das soziale, politische und multinationale Problem und die Wirkungszusammenhänge von politischen und ökologischen Problemen der Zukunft Vereinbarungen und gemeinsame Vorstellungen zu entwickeln. Die wichtigste Prämisse der sogenannten Agenda 2000 ist das Zusammenleben, die partnerschaftliche Koexistenz der Weltvölker.

Im Zuge der Agenda 2000 haben Künstler die Aktion Agenda 21 ins Leben gerufen. Die ursprüngliche Agenda 21, von der Weltkonferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro beschlossen, ist Thema dieser internationalen Aktion von Künstlern mit dem gleichnamigen Arbeitstitel Agenda 21.

"In den nächsten Jahren sollen in vielen Ländern öffentliche Wandbilder entstehen. Künstler aus allen Kontinenten sind aufgerufen, ihre Visionen und Vorstellungen für das Zusammenleben in einer Welt im nächsten Jahrtausend sichtbar zu machen", heißt es im Aufruf der Künstlergruppe Farbfieber.

Im Rahmen der Agenda 21 soll nun in Ahaus ebenfalls ein öffentliches Wandbild entstehen. Hierzu die Mitinitiatorin Mechthild Bettmer-Liebermann: "Ein Wandbild in Ahaus versteht sich als ein Beitrag im Rahmen der Agenda 21. " Die Idee wurde im Herbst des Jahres 1998 geboren. Nach mehreren Treffen und Telefonaten mit dem Maler Klaus Klinger und Ulrich Wiegner vom Künstlerverein Farbfieber stand der Entschluss fest, "ein Wandbild für Ahaus zu organisieren".

Reizvoll waren für die Initiatoren folgende Grundgedanken: Zwei Künstler aus unterschiedlichen Kulturen erarbeiten einen Entwurf und setzen ihn gemeinsam um. Ahauser Bürger verwirklichen im Sinne der Agenda 21 Völkerverständigung über die Stadtgrenzen hinaus. Und schließlich werde mit der Wandmalerei eine neue Kunstform in Ahaus dargestellt. Finanziert werden soll das Projekt durch Spenden und öffentliche Mittel. Ein Antrag zur Gewährung von Zuschüssen der Stadt Ahaus und der Staatskanzlei NRW in Düsseldorf sind gestellt. Für das Projekt werden ca. 30000 bis 40000 Mark benötigt.

Die Initiatoren des Projektes hoffen auch auf Unterstützung aus der Ahauser Bevölkerung. Wer spenden möchte oder allgemein Interesse hat, kann sich an Mechthild Bettmer-Liebermann, Tel. 3411, wenden.


wochenpost, 20.10.1999

Fahrt am 23. Oktober zu den Wandbildern nach Troisdorf - Anmeldung noch möglich

Bausteine für das "W@ndbild für Ahaus"

Ahaus. Auf dem jüngsten Treffen der Initiative ein Wandbild für Ahaus wurden neue Bausteine für das Wandbild in Form eines Aktivitätenplanes vorgestellt.

Folgendes Projekt ist geplant: Der renommierte Düsseldorfer Künstler Klaus Klinger wird zusammen mit dem australischen Aborigine-Künstler Gordon Hookey ein Wandbild in Ahaus erstellen. Der Kunstrichtung eines sozialen Kunstwerkes folgend werden die beiden in ihrer Kunst Ideen aus Ahaus einfließen lassen. "Jeder Mensch ist ein Künstler" zitiert Klaus Klinger seinen Lehrer Josef Beuys. Das Wandbild in Ahaus möchte positive Visionen für ein humanes Zusammenleben aller Menschen in unserer einen Welt entwickeln. Denkanstöße entstehen durch Informationen über das Leben der Aboriqines (australische Ureinwohner).

Die Aborigines in Jabliluka in Australien sind durch den Uranabbau wie die Bürger von Ahaus durch die Zwischenlagerung von Atommüll unmittelbar mit den Folgen der Nutzung der Atomkraft konfrontiert.

Bei folgenden Programmpunkten kann sich jeder ein Bild vom Wandbild machen.

Am 23. Oktober findet eine Kunstfahrt nach Troisdorf statt. In Troisdorf wurden 19 Wandbilder erstellt. Abfahrt 11 Uhr Kirmesplatz Ahaus, Kosten: Erwachsene 20 DM, Nichtverdiener 1 0 DM, Kinder 5 DM. Anmeldung bei Christoph Laade, Telefon 0 25 61/97 16 14 oder Die Spielecke: 0 25 61/34 11.

Weitere Arbeitsschwerpunkte:

  • Im November und Dezember wird das Projekt Wandbild bei Ständen in der Stadt präsentiert.
  • Ein Konzert mit einem Dijendoo Künstler wird den Atem der Aborigines fühlbar nachen.
  • Im Januar soll ein Film des Schweizer Kunstprofessors Bernhard Lüthi gezeigt werden. Lüthi hat sich einfühlsam mit dem Leben der Aborigines in Jabiluka beschäftigt und wird seinen Film erläutern.
  • Für Februar ist eine Diskussion angedacht zum Thema Konzeptionen und Ideen der Wandmalkunst in Deutschland.

Die Initiative trifft sich mittwochs um 20 Uhr bei Hapering (Gaststätte zur alten Post).


wochenpost, 23. Juni 1999

Initiative "Eine W@ndbild für Ahaus": UNESCO übernimmt die Schirmherrschaft

Völkerverständigung steht im Mittelpunkt des Wandbildes

Ahaus (sis). Die Völkerverständigung steht im Mittelpunkt der Aktion "Ein W@ndbild für Ahaus", die von der wochenpost präsentiert wird. Gemeinsam mit einem australischen Künstler will der Düsseldorfer Künstler Klaus Klinger ein Wandbild in Ahaus erstellen. Das Projekt soll im Rahmen der "Agenda 21" (Aktionsprogramm der Vereinten Nationen für das 21. Jahrhundert) stattfinden. Das Wandbild wird versuchen, eine Verknüpfung von Ahaus nach Australien zu erstellen.

In Ahaus hat sich eine Initiative gebildet, die derzeit alles versucht, um dieses Projekt zu realisieren.

Vor wenigen Tagen bekamen der Künstler und die Ahauser die Bestätigung, daß die UNESCO die Schirmherrschaft auch für das Projekt in der Schloßstadt übernehmen wird.

Jetzt laufen natürlich die Vorbereitungen auf Hochtouren, damit das Ahauser Wandbild spätestens im September oder Oktober Realität wird. Die Initiative um Mechthild Bettmer-Liebermann ist derzeit im Gespräch mit der Stadt Ahaus, der Heinrich-Böll-Stiftung, der deutschen Umweltstiftung, der Landes Arbeitsgemeinschaft 3-Welt, der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Bundesumweltministerium. Das größte Problem, das die Organisatoren derzeit haben, ist die Finanzierung. Rund 40000 DM werden benötigt, damit das Projekt realisiert werden kann.

Nach wie vor wird auch weiter nach einer Wand Ausschau gehalten, obwohl die Organisatoren schon ein Objekt ins Auge gefaßt haben. "Eine Wunschvorstellung von uns wäre die Wand am neuen Logo, denn das liegt sehr zentral und ist eine Begegnungsstätte für Musik und Kultur und für jung und alt", weiß Mechthild Bettmer-Liebermann. Gespräche geführt werden aber auch noch mit Hausbesitzern, die sich mit dem Projekt identifizieren.

"Global denken - lokal handeln" ist das Motto der Agenda 21. Die Ahauser lnitiatoren wollen mit vielen Aktionen und mit einem interessanten Programm ein Riesenereignis aus dem Wandbild machen. Mitmachen kann übrigens jeder. "Wir wollen einen Anfang machen und hoffen, daß sich viele Menschen an dem Projekt beteiligen und neue Ideen entwickeln", hofft Mechthild Bettmer-Liebermann. Schulen, Kindergärten oder Vereine können Aktionen starten und zum Gelingen des Wandbildes beitragen.


wochenpost, 24. Februar 1999

Weltweite Wandmalkampagne in Ahaus mit einem Künstler aus Australien geplant

"Ein Zeichen interkultureller
Zusammenarbeit setzen"

Von SILKE SANDKÖTTER

Ahaus. Eine weltweite Wandmalkampagne, die Künstler aus allen Kontinenten auffordert, ihre Vorstellungen und Visionen für das 21. Jahrhundert sichtbar zu machen, wurde vom Düsseldorfer Verein "Farbfieberr" ins Leben gerufen. Das Projekt soll ein Beitrag zur "Agenda 21" (siehe Infokasten) werden. Konkrete Formen nimmt die globale Wandmalaktion des Künstlervereins derzeit an. Momentan gibt es Kontakte zu Initiativen aus 35 Städten in Deutschland und zu mehr als 20 Ländern weltweit, die sich an diesem Projekt beteiligen wollen.

Auch in Ahaus hat sich die Initiative "Ein Wandbild für Ahaus" gegründet. Sie ist aus der Bürgerinitiative "Kein Atommüll in Ahaus" hervorgegangen und will sich an der Aktion beteiligen. In der vergangenen Woche informierten die Organisatoren über die geplante Aktion in der Schloßstadt. "Wir haben von dieser Wandmalaktion erfahren und waren sofort begeistert und wollten derartiges auch für Ahaus auf die Beine stellen", berichtet Mechthild Bettmer-Liebermann, eine der Initiatorinnen.

Die Ahauser führten bislang viele Gespräche, die allesamt auf eine positive Resonanz stießen. Ein Prinzip der Kampagne ist die Zusammenarbeit von Menschen und Künstlern auf verschiedenen Kontinenten. Auch die Ahauser müssen einen Künstler aus einem Partnerland einladen.

Die Wahl des Partnerlandes für Ahaus fiel auf Australien. Der Grund: "ln Ahaus haben wir, bedingt durch das Zwischenlager, viel mit Energie und UmweItschutz zu tun. Eine ähnliche Problematik gibt es auch in Australien", so Bettmer-Liebermann.

Im Norden des fünften Kontinents wehren sich die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, gegen den Uranabbau in Jabilika. Das Gebiet ist von der UNESCO als Weltnaturerbe geschützt worden und seinen Bewohnern heilig. Die Regierung in Australien will dort jedoch Uran abbauen. "Der Urananbau steht am Anfang einer atomaren Kette und das Zwischenlager in Ahaus ist das Ende dieser atomaren Kette", nennt Mechthild Bettmer-Liebermann den Grund für die Wahl des Partnerlandes.

Die Initiatoren des Wandbildes für Ahaus wollen auf die Situation in Australien aufmerksam machen, ihre Situation kennenlernen und sie - wenn möglich - auch unterstützen. Aus diesem Grund soll auch ein australischer Künstler eingeladen werden. Unter Umständen soll sogar ein Pendant zum Ahauser Bild in Australien gemalt werden.

"Die Kontakte sind bereits da", berichtet der Künstler Klaus Klinger vom Düsseldorfer Verein "Farbfieber". Er ist Initiator dieser weltweiten Wandmalkampagne. "The Wonderful Gordon Hookey" heißt der australische Künstler, den die lnitiatoren derzeit für das Projekt in Ahaus gewinnen wollen.

"Neben der lokalen Agenda 21 soll unser Projekt auch den globalen Aspekt aufzeigen", so Klinger. Er setzt auf eine Zusammenarbeit mit Künster, Dritte-Welt-Gruppen, Umweltgruppen, Initiativen usw., um möglichst viele Menschen in dieses Projekt mit einzubeziehen. "Wir wollen ein positives Zeichen interkultureller Zusammenarbeit setzen", berichtet Klinger, der gemeinsam mit dem australischen Künstler an dem Wandmalbild in Ahaus arbeiten will.

"Die Wandmalbilder sind eine sehr öffentliche Aktion", weiß der Künstler, der circa sechs Wochen mit dem Ahauser Bild beschäftigt sein wird. "Rund drei Wochen würden die Vorplanung und der Entwurf dauern und die restlichen drei Wochen wird an der Wand gemalt", berichtet er vom Arbeitsablauf.

Was letztlich in Ahaus gemalt werden würde und welche Wand genutzt werden könnte, das steht noch nicht fest. Derzeit werden viele Gespräche geführt über einen möglichen Standort und eine Finanzierung.

"AGENDA 21"
Die "Agenda 21" ist das Aktionsprogramm der Vereinten Nationen für das 21. Jahrhundert. Es fordert eine umweltverträgliche, ökonomische und soziale Entwicklung der Erde. Die "Agenda 21" wurde 1992 in Rio von 170 Staaten beschlossen. Sie gilt für Entwicklungs- und Industrieländer und enthält erstmals Festlegungen unter anderem zur Bekämpfung der Armut, Bevölkerungspolitik, Abfall-, Klima- und Energiepolitik und der Zusammenarbeit von dritter und erster Welt.

Künstler entwarf bislang mehr als 60 Wandbilder in verschiedenen Ländern

Klaus Klinger ist Initiator
des Projektes Wandmalerei

Ahaus (sis). Initiator der Projekte Wandmalerei ist der Düsseldorfer Künstler und Wandmaler Klaus Klinger. 1987 wurde durch seine Initiative erstmals ein Maler aus Nicaragua für ein gemeinsames Wandbild nach Deutschland eingeladen. Damit brachen neue Dimensionen in der Wandbildmalerei an. Seit 1987 sind großflächige und farbenprächtige Wandbilder in lateinamerikanischen und europäischen Städten zu finden. Diese Wandbilder werben für ein kreatives Zusammenwirken in einer Welt. Höhepunkt der Wandmalerei war bislang 1992 ein von Klaus Klinger maßgeblich initiiertes Wandmalprojekt anläßlich des 500-Jahre-Jubiläums der "Entdeckung Lateinamerikas", an dem sich 70 Künstler aus beiden Kontinenten beteiligten. Das nächste große Projekt, an dem Klinger derzeit arbeitet, ist eine Kampagne zur "Agenda 21". Auf alten Kontinenten sollen sich Künstler beteiligen und öffentliche Zeichen setzten, die die Vorstellungen und Visionen der Künstler gegen eine Zerstörung der "einen Welt" setzten.

Der Künstler und Initiator Klaus Klinger wurde 1954 in Essen geboren. Von 1973 bis 1980 war er als Meisterschüler an der Kunstakademie Düsseldorf tätig. 1978 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Wandmalgruppe Düsseldorf. Eine dreimonatige Studienreise über Wandmalbilder unternahm Klinger 1980. Sechs Jahre später war er Gründungsmitglied des Vereins "Farbfieber". Für die Gestaltung eines Schulgeländes mit Grundschülern erhielt er 1989 den zweiten Preis des Landes Nordrhein-Westfalen. Mehr als 60 Wandbilder in Zusammenarbeit mit Künstlern, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in vielen Ländern sind zwischen 1978 und 1997 entstanden. Mit zahlreichen Ausstellungen und Veröffentlichungen ist Klinger bekannt geworden. Zu seinen Aufgaben zählen auch Straßenaktionen, Workshops, Masken- und Figurenbau.

Infoveranstaltung
Ahaus. Am Mittwoch, 3. März, 20 Uhr, findet eine Einführungsveranstaltung in der Stadthalle Ahaus statt. Dort werden die Initiatoren gemeinsam mit dem Wandmaler Klaus Klinger über das Projekt informieren. Informationen gibt es zum angestrebten Partnergebiet in Australien. Außerdem werden mögliche Standorte in der Stadt genannt und die Initiatoren berichten von den Kosten usw.
Ein Spendenkonto wurde bereits eingerichtet. Kennwort "Ein Wandbild für Ahaus", Kreissparkasse Borken, BLZ: 42851310, Spendenkonto: 596 908 91.

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