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INTERNATIONALE KATHOLISCHE FRIEDENSBEWEGUNG
PAX CHRISTI Sprechergruppe
24.05.2005
B i s t u m s s t e l l e   M ü n s t e r

Der Thesenanschlag zu Ahaus

Wir brauchen eine neue politische Ethik

Die neue politische Ethik wird eine Ethik der Lebensförderung und Lebenssteigerung sein, vor allem dort, wo das Leben am meisten bedroht ist.

Die neue politische Ethik setzt sich für eine allseitige Befreiung der Menschen ein und wird zugleich die Methoden der Befreiung kritisch befragen und darauf achten, dass sie der Solidarität unter den Menschen dienen.

Die neue politische Ethik wird keine religiösen, nationalen oder rassischen Schranken anerkennen, sondern auf der grundsätzlichen Gleichheit aller Menschen bestehen, ausgestattet mit gleicher Würde und gleichem Recht.

Die neue politische Ethik tritt für einen sorgsamen und nachhaltigen Umgang mit der Erde als der Mitwelt der Menschen und dem Lebensraum der kommenden Generationen ein.

Deswegen stellt sich die neue politische Ethik gegen

  • Das Klonen von Menschen
  • Die Genveränderung der Grundnahrungsmittel
  • Die Euthanasie am Anfang und am Ende menschlichen Lebens
  • Die militärische und zivile Nutzung der Atomkraft wegen der Belastung der Menschheit für Jahrhunderte
  • Die militärische und wirtschaftlicher Vorherrschaft der reichen Staaten über die Armen in der Welt und in den einzelnen Völkern

Deswegen tritt die neue politische Ethik ein für

  • Die gewaltlose Überwindung der Konflikte
  • Eine Entschuldung der arm gemachten Völker
  • Mehr Gerechtigkeit in den internationalen Handelsbeziehungen
  • Eine Förderung der alternativen und regenerativen Energiegewinnung
  • Menschenrecht und Menschenwürde .für alle Menschen, für die Unterdrückten und Entrechteten, für die Schwachen und Kranken, für die Frauen und Kinder zu allererst.

Zeitungsartikel "Münsterlandzeitung" vom 25.05.2005 ...


INTERNATIONALE KATHOLISCHE FRIEDENSBEWEGUNG
09.03.2004: KEIN CASTOR NACH AHAUS
Erklärung der Sprecherguppe zum drohenden
Castortransport nach Ahaus
B i s t u m s s t e l l e   M ü n s t e r


PAX CHRISTI im Bistum Münster hat in den vergangenen Jahren bei vielen Gelegenheiten deutlichen Protest gegen die herrschende Atom-Politik formuliert und diesen Protest durch Gottesdienste, Politische Nachtgebete und Beteiligung an Demonstrationen deutlich gemacht. Die neuerliche Auseinandersetzung um Atom-Transporte von Rossendorf nach Ahaus in das sogenannte Zwischenlager veranlasst uns zu folgender

Erklärung

Wir stellen fest:

  • Die Atomenergie gefährdet Menschen während ihrer ganzen wirtschaftlichen Kette vom Uranabbau bis zur ungeklärten Endlagerung des Atom-Mülls. Auffällige Erkrankungen im Umfeld der Uran-Gewinnung und Uran-Verarbeitung werden herunter gespielt und nicht weiter untersucht.
  • Auch bei einer geklärten Endlagerung belastet der Atom-Müll die Menschheit auf Jahrtausende, verlangt Sicherheitsmaßnahmen gegen Missbrauch unabhängig von den jeweiligen Regierungen. Diese Sicherheit ist nicht zu gewährleisten.
  • Die Atomenergie setzt fehlerfreie Menschen und eine fehlerfreie Technik voraus. Beides gibt es nicht.
  • Tschernobyl hat gezeigt, welch verhängnisvolle Auswirkungen ein Atom-Unfall für Millionen von Menschen haben kann. Langfristig sind vor allem Kinder geschädigt, ebenso das Erbgut von Menschen und Tieren, große Landstriche werden unbewohnbar.
  • Die Förderung der Atomenergie durch öffentliche Mittel hat die Förderung einer alternativen Energiegewinnung seit Jahrzehnten in den Hintergrund gedrängt.
  • Die (scheinbar) geringeren Energie-Kosten durch die Atomtechnologie verdrängen
    1. die hohen öffentlichen Subventionen bei deren Entwicklung,
    2. die viel zu niedrigen Versicherungskosten für Unfälle
    3. die hohen Folgekosten für die unabsehbare Endlagerung.
  • Die Konflikte zwischen Ökonomie und Ökologie sind heute zum großen Teil Konflikte zwischen Firmen und transnationalen Kooperationen auf der einen und den einheimischen Bewohnern auf der anderen Seite, also Konflikte zwischen den Interessen an der Ausbeutung der Erde und ihrer zukünftigen Bewohnbarkeit.
  • Das Bundesamt für Strahlenschutz hat schon die Schließung von 5 Atomkraftwerken gefordert, da sie gegen (zufällige oder absichtliche) Flugzeugabstürze nur ungenügend gesichert sind und deswegen ein unverantwortliches Gefährdungspotential darstellen. Gegen direkte Angriffe von Großflugzeugen wie am 11.9.2001 ist kein Atomkraftwerk gewappnet, weder hier noch in anderen Ländern. Dies gilt insbesondere von allen Zwischenlagern, wobei die in Rossendorf und Ahaus noch ungeschützter sind als die neuen Lager bei den Atomkraftwerken.

Wir nehmen Stellung

  • Als BürgerInnen dieses Landes und als Christlnnen sind wir mitverantwortlich für die Zukunft der Menschen und ihrer Welt.
  • Wir dürfen die uns anvertraute Schöpfung Gottes weder kurzfristig noch langfristig aus egoistischen Interessen missbrauchen und damit die kommenden Generationen in unverantwortlicher Weise belasten. Im Gegenteil: Wir sind verantwortlich dafür unsere Erde als Lebensraum für die kommenden Generationen zu bewahren und zu schützen. Deswegen ist nur ein nachhaltiger "Gebrauch" der Erde zu verantworten.
  • Wir teilen die Ängste vieler Menschen, die sich und ihre Nachkommen vor den unabsehbaren Folgen einer weitere "Nutzung" der Atomenergie schützen wollen. Die vom Evangelium und von der menschlichen Vernunft geforderte Nächstenliebe hat politische Konsequenzen.
  • Heute gibt uns die Technik die Macht, alles Lebende auf der Erde zu zerstören. Das will keiner. Wer aber nur auf den augenblicklichen Nutzen der Atomenergie sieht, spielt ihre Gefahren herunter. Dazu kommt noch die mögliche kriegerischen Nutzung von Atombomben aller Art, die menschliches Leben zerstören. Wir dürfen nicht alles, was wir können.
  • Wir sind Teil dieser Erde. Wenn wir der Erde treu bleiben wollen, müssen wir uns gegen jene Mächte und Menschen zur Wehr setzen, die die Erde gefährden oder verraten. Sie ist und bleibt die Mutter alles Lebendigen. Wer sie verletzt, verletzt Gott.

Wir fordern deswegen

  • Einen unmittelbaren Ausstieg aus der Atomenergie in Deutschland schneller als es die bisherigen Vereinbarungen zwischen der Regierung und der Atomindustrie vorsehen.
  • Keinen Export von Atomfabriken (Hanau) in andere Länder. Keine weitere finanzielle Förderung der Atomenergie.
  • Keine Atommüll-Transporte quer durch Deutschland, weder auf der Schiene noch auf der Straße, also auch keine Atomtransporte von Rossendo:rf nach Ahaus.
  • Stärkere Förderung der alternativen Energien, um umweltfreundliche Energiegewinnung im größeren Maße zu ermöglichen.
  • Energiesparmaßnahmen auf allen Ebenen (Verkehr, Haushalt, Industrie, Militär).

Stellungnahme des Pfarrgemeinderates
der katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt Ahaus
zum Thema Castortransporte aus Rossendorf

  • Freude und Hoffnung, Bedrängnis und Trauer der Menschen heute... sind zugleich auch Freude und Hoffnung, Trauer und Bedrängnis der Christen.
    Aus diesem grundsätzlichen Wort der Kirche - II. Vat. Konzil - nehmen christliche Gemeinden das Recht, sich zu äußern zu Sorgen und Nöten der Menschen - in Ahaus also auch das Recht, sich zu beteiligen an Fragen und Auseinandersetzungen zum Thema Atomenergie, Atompolitik, z.B. Castortransporte.

  • Die Menschen in und um Ahaus haben unterschiedliche Erfahrungen mit Castortransporten: zwischen 1992 und 1995 sind 305 Castoren aus dem abgebauten Kernkraftwerk in Hamm-Uentrop in das Zwischenlager nach Ahaus gekommen - nicht ohne Sorgen, aber ohne größeren Widerstand. 1998 - auf dem Höhepunkt einer politischen Diskussion um den Ausstieg aus der Atomenergie wurde der Castortransport von zum Teil leidenschaftlichen Demonstrationen begleitet. Die Diskussionen und Auseinandersetzungen um die im Frühjahr 2004 zu erwartenden Castoren aus dem stillgelegten Forschungsreaktor Rossendorf müssen vor diesem Hintergrund verstanden werden.

  • Die Politik und die Betreiber der Kernkraftwerke haben - auch aus Sorge um nicht mehr ohne Widerstände denkbare Castortransporte durch das ganze Land - für Zwischenlagerung an den jeweiligen Kernkraftwerken gesorgt. Diese Regelung gilt nicht für Castoren aus Forschungsreaktoren.

  • Es gibt weder in Deutschland noch weltweit ein nutzbares Endlager für hochradioaktive Abfälle. Das begründet die meisten der sorgenvollen Fragen nach Verantwortung für die Sicherheit kommender Generationen.

  • Es gibt - nicht nur in unserer Stadt - Ängste, wenn es um Atomenergie und Castortransporte ins Zwischenlager geht. Und es gibt Angst vor den Auswirkungen dieser Ängste - aus unterschiedlichen Blickwinkeln bei Befürwortern und Gegnern der Atomenergie. Ein fairer Umgang miteinander und jeglicher Verzicht auf Diskriminierung und Kriminalisierung der jeweils "Andersdenkenden" ist eine grundsätzliche Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben in unserer Stadt.

  • Die ungelöste Endlagerfrage zwingt zur Zwischenlagerung. Mit den Folgen energiepolitischer Entscheidungen der Vergangenheit muss in jeder Generation verantwortlich umgegangen werden. Verantwortung heißt nicht, dass Atommüll in die jeweilige Nachbarschaft transportiert wird.

  • Widerstand aus politischen und ethischen Gründen ist ein hohes demokratisches Gut. Das gilt auch, wo um die Notwendigkeit und Vertretbarkeit der Castortransporte aus Rossendorf gerungen wird.
Pfarrgemeinderat Ahaus,
der katholischen Kirchengemeinde
St. Mariä Himmelfahrt
im Februar 2004

Christen und Atomenergie

Christen suchen nach einer verantwortlichen Haltung zur Atomenergie, denn dabei sind Fragen der Schöpfung, des Lebens und der Zukunft berührt. Mit Respekt vor den Christen, die die friedliche Nutzung von Atomenergie für verantwortbar und die Risiken für vertretbar halten, bezieht, der Pfarrgemeinderat folgende Position:

1. Unsere Gesellschaft leistet sich einen Energieverbrauch, den sie sich verantwortlich nicht leisten kann.

2. Politische Entscheidungen der Vergangenheit waren eine Antwort auf die Bedürfnisse von Menschen, die "immer mehr" wollten: Energie, Wohlstand, Konsum ...

3. Atomenergie ist - wegen der unvergleichbar schweren Folgen eines Unfalls - nur verantwortbar, wenn Herstellung, Betrieb und Entsorgung technisch absolut sicher sind. Absolut sichere Technik kann es nicht geben. Technik liegt immer in Menschenhand: Politische und menschliche Konstellationen können sich so verändern, daß die Sicherheitsgarantien gegenstandslos werden.

4. Atomenergie ist - wegen vieler ernstzunehmender Ängste - gesamtgesellschaftlich nicht konsensfähig.

5. Der - selbstverständlich gewaltfreie - Widerstand gegen das Brennelemente-Zwischenlager in Ahaus will deutlich machen: Der Ausstieg aus der Atomenergie muß nachdrücklich betrieben werden.

6. Unsere Generation hat die Verantwortung zu übemehmen für politische und gesellschaftliche Entscheidungen der Vergangenheit; anfallender Atommüll muß also gelagert werden.

7. Die ungeliebte, gefährliche Lagerung des Atommülls darf nicht einfach in andere Gemeinden, Landschaften oder Länder abgeschoben und auch nicht auf Städte wie Ahaus konzentriert werden.

8. Alternativen zu überlegen ist Sache der Politik, der Industrie und der Wissenschaft; ein verantworteter Umgang mit Energie ist Sache aller.

einstimmig beschlossen am 24. Juni 1997
Kath. Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt Ahaus - Der Pfarrgemeinderat


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